Neuordnung der Wirtschaft

Blickwinkel – Bewusstsein – Gesellschaft von Sabine Gebhardt, Dezember 2022

Anmerkung der Redaktion:

Bitte beachten Sie zu folgendem Artikel auch das Schaubild am Ende des Textes.

Die Neuordnung der Wirtschaft im dreigliedrigen sozialen Organismus und die Unvereinbarkeit des sogenannten „bedingungslosen“ Grundeinkommens damit

Der Neuordnung der Wirtschaft kommt bei der Dreigliederung des sozialen Organismus und der Überwindung der globalen Gesellschaftskrise eine entscheidende Rolle zu. Die Wirtschaft ist der Herzschlag eines Landes, denn sie bildet die Grundlage des Menschenlebens, weil sie das liefert, was jeder von uns zum Leben braucht, und unsere Bedürfnisse nach materiellen Gütern befriedigt. Als Ursache für den gesellschaftlich-kulturellen Niedergang und die Zerstörung der Wirtschaft haben wir die Macht- und Geldkonzentration im Einheitsstaat in Verbindung mit dem ihn aus dem Hintergrund steuernden Großkapital und seinen Renditezielen erkannt. Ziel muss demnach eine Entflechtung dieser Verhältnisse sein, um die Gesellschaft in einen Heilungsprozess zu bringen anstelle des Zerstörungsprozesses, in dem wir uns gerade befinden: ein autonomes Wirtschaftsleben, ein aus der Staatsaufsicht befreites selbständiges Geistesleben, und ein schrumpfender, sich neu zu definierender Staat. Alexander Caspar drückt es in seinem Buch «Das Neue Geld» folgendermaßen aus: „Die Trennung und autonome Verwaltung der drei gesellschaftlichen Bereiche Wirtschaft, Recht sowie Bildung und Wissenschaft ist eine Zeitforderung, weil die Bereiche auf seit der Französischen Revolution formulierten Prinzipien beruhen, die nun aber nicht vermischt werden dürfen: die Wirtschaft auf dem der Arbeitsteilung zugrunde liegenden Prinzip der Solidarität im anzustrebenden Ausgleich zwischen Bedürfnissen und dem Wert der Leistungen, das Recht und die Demokratie auf demjenigen der Gleichheit und das geistige Leben auf Freiheit; in das Schulwesen und die Wissenschaft dürfen keine Interessen der anderen Bereiche einfließen.“ An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass alle Zitate in diesem Artikel Alexander Caspar‘s Buch «Das Neue Geld» entnommen sind, weil er meiner Meinung nach von allen Autoren die assoziative solidarische Wirtschaft im dreigliedrigen Organismus am besten durchdrungen und beschrieben hat. Die Dreigliederung würde bewirken, dass nicht mehr die Menschen in Klassen und Parteien aufgeteilt werden, sondern das objektive Leben außerhalb der Menschen, und der Mensch mit seinen Interessen und Bedürfnissen würde als Bindeglied zwischen den Bereichen fungieren.

Die Wirtschaft spielt deshalb die entscheidende Rolle bei der Transformation der Gesellschaft, weil nur sie die bisherigen wirtschaftlichen und finanziellen Funktionen des Staates ablösen kann. Wir stehen nämlich vor der Herausforderung, die auf Kapitalverzinsung und Kapitalhortung bestehende Verschleißwirtschaft mit Hilfe der Dreigliederung in eine Maßwirtschaft zu verwandeln, die das Kapital nicht mehr über den Menschen stellt, und die den Menschen und die Natur nicht mehr ausbeutet. Dafür müssen wir aber zunächst einmal erkennen, dass unser Denken in den wirtschaftlichen Gegebenheiten das Bedingende ist. Weder die Verhältnisse in denen wir jetzt wirtschaften, noch die ihnen zugrunde liegende Wirtschaftstheorie sind gottgegeben oder unumstößlich, sondern von Menschen gemacht. Die Wirtschaftstheorie ist nicht länger haltbar und dieses unmenschliche Wirtschaftssystem haben wir erschaffen, und wir können es auch wieder ändern. Wir sollten uns klarmachen, dass menschliches Wollen im Laufe der Zeit gesellschaftliche Einrichtungen etabliert. Wir haben die Denkgewohnheiten derjenigen Klasse, die für diese Missstände verantwortlich sind, unbemerkt übernommen und sie zu unseren gemacht. Wir haben erschaffen, dass das Kapital sich immerzu vermehren muss und sich nicht verzehren darf. Wir haben erschaffen, dass Menschen ihre Arbeitskraft als Ware im Wirtschaftskreislauf verkaufen müssen. Wir haben erschaffen, dass Geld ohne einen unmittelbaren Zusammenhang zur Produktion geschöpft wird und wie ein reales Objekt zirkuliert.  Wir haben erschaffen, dass Grund und Boden wie Waren in der Wirtschaft zirkulieren, in die überschüssiges Kapital fließen und die Immobilienpreise in die Höhe treiben. Wir haben erschaffen, dass unnötige Bedürfnisse kreiert werden, nur um den Umsatz und damit die Kapitalrendite zu steigern. Wir können all das auch wieder ändern. „Die Verwaltung des Wirtschaftslebens wird sich auf die sachgemässe Erzeugung, Verteilung und gegenseitige Wertbemessung von Gütern beschränken.“ Die selbständige Wirtschaftsverwaltung bekommt die Aufgabe der assoziativen Preis- und Einkommensbildung aus einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtung heraus auf der Grundlage der volkswirtschaftlichen Leistungen. Die alles entscheidende Rolle spielt dabei das Verständnis für das bisher vernachlässigte Grundgesetz allen Wirtschaftens, nämlich das der Wertbildung. Die Wertbildung und dessen methodische Erfassung muss auf der realwirtschaftlichen Bodenproduktion basieren, was von der Wirtschaftswissenschaft bisher noch nicht verstanden wurde, weil sie einfach die Werte der Güter und Dienstleistungen nach Geldpreisen bemisst. Wertebildend ist aber die menschliche körperliche Arbeit angewandt auf die Natur, wobei geistige menschliche Arbeit körperliche Arbeit erspart. Der Arbeitsprozess bedingt also die Wertbildung. Dieses Konzept der Wertbildung hat weitreichende Auswirkungen auf alle Kernprozesse des Wirtschaftens, die nachfolgend erläutert werden sollen.

Wertbildung

Die in einem Wirtschaftsgebiet erfolgte Wertschöpfung, Sozialprodukt genannt, wird auch als Geld definiert, auf der einen Seite als der Geldwert aller produzierten Güter und Dienstleistungen, und auf der anderen Seite als Summe aller Erwerbs- und Vermögenseinkommen. Marktpreise und Arbeitseinkommen können nicht unabhängig voneinander erfasst werden. Darin enthalten sind auch die Leistungen des Bildungswesens, des Gesundheitswesens, des Finanzwesens und der staatlichen Verwaltung. Die Wertbildung sollte demgegenüber basieren auf der Gesamtheit der Ergebnisse körperlicher Arbeit der Bevölkerung eines Währungsraumes auf der von ihr benötigten Bodenfläche. Wir müssen den sich zwischen Natur und Geist abspielenden Arbeitsprozess zum Ausgangspunkt der Betrachtung machen. Wertbildend ist die menschliche Tätigkeit, die ein Naturprodukt bearbeitet und verändert, und in den wirtschaftlichen Verkehr bringt und dadurch mit anderen Menschen in die Beziehung des Güteraustausches tritt. Caspar schreibt hierzu: „Ein messbarer volkswirtschaftlicher Wert ergibt sich nur dort, wo die Arbeit sich unmittelbar mit der Natur verbindet.“ Der volkswirtschaftliche Wert entsteht einerseits durch körperliche Arbeit angewandt auf die Natur (Naturgewinnungswert), und andererseits durch Arbeit organisiert durch Intelligenz, die die körperliche Arbeit einspart (Organisationswert). Die beiden Werte verhalten sich umgekehrt entgegengesetzt – invers polar – zueinander. Die geistigen Leistungen, die unter anderem die Arbeit an der Natur organisieren und rationalisieren, ersparen Arbeit an der Natur, und ihr Wert wird genau durch diese Einsparung körperlicher Arbeit bestimmt. Für alle weiteren Kernprozesse des Wirtschaftens ist es extrem wichtig, diese zwei sich invers polar zueinander verhaltenden Wertbildungsfaktoren zu unterscheiden, da das Kapital durch diese auf die Arbeitsteilung und Rationalisierung zurückgehende Ersparnis der Arbeit am Boden entsteht. „In dem Zusammenwirken zwischen all dem, was Bodenbearbeitung ist, und demjenigen, was von der geistigen Seite her geschieht, liegt etwas was sich volkswirtschaftlich gegenseitig kompensiert. Das Geldsystem erfasst beide Wertbildungen und ermöglicht den kompensatorischen Übertrag des Überschusses aus der Bodenproduktion in das Gebiet der geistigen Arbeit.“ (A. Caspar)

Preisbildung und Einkommensbildung

In der herkömmlichen Wirtschaftstheorie bestimmt der Markt die Preise für die Güter, die sich automatisch aus Angebot und Nachfrage ergeben sollen, und setzt damit in der Begriffsbildung methodisch zu spät an, weil der sachliche Zusammenhang des dahinterstehenden wirtschaftlichen Prozesses dadurch nicht voll erfasst wird. Die Preisbildung kann hier nur als Produktionskosten zurückverfolgt werden, und darin enthalten sind die Arbeitskosten als ganz wichtiger Faktor, die die Kopplung von Arbeit und Einkommen belegen. Arbeit als Kostenfaktor soll im jetzigen System nach Möglichkeit eliminiert werden, damit die Umsatzrendite der Kapitaleigner steigen kann. Außerdem ist an die Stelle der Bedürfnisse, die sich frei aus der Menschheitsentwicklung und aus dem Kulturprozess herausbilden sollten, die künstliche Schaffung von Bedürfnissen getreten, um der Steigerung der Produktionsmenge willen mit dem Ziel der Umsatz- und Gewinnmaximierung. „Geregelt durch Angebot und Nachfrage, drückt diese Marktwirtschaft allem den Charakter der Ware auf, und somit erscheinen in ihr auch das Kapital, die menschliche Arbeitskraft und die Arbeitsleistungen gleichermaßen als Ware. Mit Kapital und Lohn als Ware ist alle Preisgestaltung auf den Konkurrenzkampf und das Rentabilitätsverhältnis zwischen beiden gegründet.“ Solange aber Arbeitseinkommen und Unternehmensgewinne als Funktion der Preise miteinander gekoppelt sind, kann der volkswirtschaftliche Wert eines Erzeugnisses nicht getrennt von der Arbeit gedacht werden, was aber nötig ist, damit sich eine gesunde Preisbildung als vergleichsweiser Wert der Güter untereinander ergeben kann.

Der Preis ergibt sich einerseits aus dem Wert, den ein Erzeugnis für den Hersteller besitzt und andererseits aus dem Wert, den das Bedürfnis einem Gut beimisst. Man muss die Preisbildung auf etwas Bestimmtes zurückführen, deswegen sollte die Urproduktion das Maß jeglicher Preisbildung sein, bis zu der sich der Preis eines jeden Gutes zurückverfolgen lässt. In der Urproduktion fallen der Bedürfniswert aller Bedürfnisträger und der Herstellungswert aller Leistungserbringer zusammen. Setzt man die Geldmenge mit dem volkswirtschaftlichen Naturgewinnungswert fest und teilt man sie durch die Bevölkerungsanzahl, so bekommt man ein nominales Pro-Kopf-Einkommen als Richtwert für das Existenzminimum, das Caspar Sozialquote nennt. Dadurch würden Marktpreise und Einkommen unabhängig voneinander erfasst. Die Aufgabe der assoziativen Wirtschaft ist es einerseits, die Sozialquoten auf die einzelnen Branchen und Bereiche der Gesellschaft zu verteilen und andererseits eine gegenseitige Bewertung der Leistungen vorzunehmen. Der Austausch der wirtschaftlichen Werte drückt sich in der Preisbildung aus. Die Angleichung der Preise findet statt durch die Assoziationen, die die gegenseitigen Leistungen so bemessen müssen, dass die Menschen bis zur Erbringung einer gleichwertigen Leistung ihre Bedürfnisse aus den Leistungen anderer befriedigen können.  Caspar schreibt hierzu, dass aus der Erkenntnis der volkswirtschaftlichen Zusammenhänge heraus bei den Produzenten verschiedener Branchen ein Interesse bestehen wird, aus einem Gemeinsinn heraus, zu einem gesamtwirtschaftlichen Urteil zu gelangen, das sich dann in der anzustrebenden Preisbildung ausdrückt. Die Arbeit als solches nach Art und Zeit ist eine Rechtsfrage und muss aus der Wirtschaft ins Rechtsleben übergehen. „An die Stelle des alten Lohnbegriffes muss die Einsicht treten, dass es sich volkswirtschaftlich nur um die Verteilung der Arbeitsergebnisse handeln kann.“

Kapitalbildung

Kapital entsteht in der Wirtschaft durch die intelligente Organisation der Arbeit (u. a. Technik, Arbeitsteilung) und die damit verbundenen industriell bedingten Rationalisierungsprozesse. Je mehr die Arbeit durch den Geist rationalisiert wird, je weiter also die Kapitalbildung fortschreitet, desto mehr löst sich die Arbeit von ihrer unmittelbaren Verbindung mit der Natur. Dieser Abstraktionsprozess geschieht durch das Medium Geld und die Übertragung von Werten geschieht durch den Kapitalverkehr. Wir haben gesehen, dass die (hypothetisch) körperliche Arbeit und die geistige Arbeit (= ersparte körperliche Arbeit) getrennt voneinander erfasst werden müssen, um zum Kapitalbegriff zu kommen. Für diejenigen, die wegen ihrer geistigen Arbeit oder als reine Verbraucher Arbeit am Boden nicht erbringen, müssen die an der Naturgrundlage verbleibenden Arbeitenden deren Teil mit erwirtschaften. Der Industrie wird also ständig der Überschuss aus der Bodenproduktion gutgeschrieben, ohne dass es bei ihr als Kredit erfasst würde. Oder anders ausgedrückt, die Rationalisierungsgewinne dürfen nicht mehr länger dem Kapitaleigentum zugeschlagen und individuell an die Kapitaleigner ausgeschüttet werden. Sie müssen als Existenzgrundlage für alle freigestellten Menschen dienen. Zwischen den Herstellungsprozess und den Verbrauchsprozess der Güter hat sich das also parasitäre Kapitalsystem geschaltet und saugt den Wohlstandsgewinn der Volkswirtschaften unrechtmäßig ab. Der Organisationswert als Produktivität des Geistigen wird heutzutage volkswirtschaftlich überhaupt nicht erfasst, was zu einem falschen Verständnis der Kapitalbildung geführt hat. Kapital entsteht durch den Überschuss der Bodenproduktion aufgrund geistiger Arbeit, und muss auch wieder verzehrt werden, indem es dem Unterhalt des Bildungs- und Kultursektors dient, dem die Rationalisierung zu verdanken ist. Kapital in Form von industriellen Produktionsmitteln kann nicht gekauft werden. Kapital kann seiner Entstehung nach nur geliehen oder geschenkt werden. „Es wird in Zukunft darum gehen, einzusehen, dass das Geldäquivalent zu den aus den geistigen Fähigkeiten heraus „automatisch“, das heisst durch Einsparung körperlicher Arbeit, gewonnenen Leistungen als Schenkung zirkulieren muss. Das wird heute ja bereits mit der Arbeitslosenunterstützung praktiziert, aber eben in Form einer leistungslosen Rentenzahlung aus der bloßen Sorge heraus, der Wirtschaftsmaschinerie Nachfrage zu verschaffen“.

Geldschöpfung

Die Zentralbanken sind für die Ausgabe von Geld zuständig und haben die alleinige Kontrolle über die Geldmenge. In der Vergangenheit waren sie bestrebt, die Geldmenge nach der Entwicklung des Bruttosozialproduktes auszurichten. Dieses Ziel haben sie längst über Bord geworfen, denn die enorme Ausweitung der Geldmenge (Geld aus der Druckerpresse) unabhängig von der realwirtschaftlichen Produktionsmenge in der jüngsten Vergangenheit mittels Kreditgewährung und Anleihekäufen hat zu der aktuell galoppierenden Inflation geführt. Im gesunden sozialen Organismus sollte die Geldschöpfung von der Wertbildung der „Urproduktion“ oder „Bodenproduktion“ ausgehen, und in Zahlen ausgedrückt dem Ureinkommen entsprechen. „Das ist das Entscheidende der Schöpfung eines solchen Geldes: Durch die Gleichsetzung der Geldmenge mit der Urproduktion wird diese vom Abstrakten ins konkret Bestimmbare hinübergeführt und das Geld zur Buchhaltung der Leistungen und Einkommen.“ Dort wo sich körperliche Arbeit mit der Natur verbindet, ergibt sich ein messbarer volkswirtschaftlicher Wert und ist Ausgangsbasis für die positive Wertbemessung. Durch die neue Art der Geldschöpfung werden Leistungen positiver und negativer Wertbemessung voneinander getrennt und Leistungserträgnisse und Einkommen unabhängig voneinander erfasst, und das ist der springende Punkt dabei. In der Geldmenge ist kein Geld für Grund und Boden und Produktionsmittel übrig, weil sonst der Maßstab für die Sozialquote verloren ginge. Das Geld oder Kapital, das aus der geistigen Produktion als Rationalisierungsgewinn hervorgeht, wird als Schenkungsgeld oder Leihgeld bezeichnet und muss obligatorisch fiskalisch abgeschöpft oder nach freier Vereinbarung dem Kultur-, Bildungs- und Gesundheitswesen übereignet werden. Das Geld besitzt auf diese Weise nur Buchhaltungscharakter für die gegenseitigen Wertverhältnisse der Güter und Leistungen, und würde auf seine Funktion als Tauschmittel reduziert werden. Die Zirkulationsdauer des Geldes ist zeitlich zu befristen und muss einer Alterung unterworfen werden, damit es nicht in die unlautere Konkurrenz zu den verderblichen Verbrauchsgütern tritt. Die Zentralbank würde das neue Geld durch die Gutschrift der Sozialquoten (= rechnerische Jahreseinkommen) auf den Konten der im Währungsraum Lebenden am Jahresanfang gutschreiben. Die Währungsdeckung für das Geld würde die Summe der brauchbaren aktivierten Produktionsmittel (Boden, Gebäude, Maschinen, Fuhrpark etc.) in den Unternehmen sein, die nicht handelbar wären. Der Hamburger Hafen beispielsweise gehört zu den Arbeitsmitteln der deutschen Volkswirtschaft, deckt somit die Währung, und darf unter keinen Umständen ans Ausland verkauft werden.

Eigentum

Wir brauchen eine neue Definition der Eigentumsverhältnisse an den betrieblichen Produktionsmitteln. Das Bildungswesen als Hervorbringer des Kapitals würde Delegierte in die Wirtschaftsverwaltung senden mit der Funktion von Produktionsmitteleigentümern. Das Kapital für die Güterproduktion sollte frei im Wirtschaftskreislauf zirkulieren können und den fähigsten Unternehmensleitern zur freien Initiative überlassen werden, solange sie eine Beziehung zur Produktion haben und damit der Allgemeinheit dienen. Der Boden und die Produktionsmittel dürfen keine Ware mehr sein, und mit dessen Übertragung darf keine monetäre Transaktion einhergehen. Ihre Zirkulation würde von der wirtschaftlichen in die rechtliche Sphäre verlagert und der Boden wäre immer im Privateigentum und nicht handelbar. Die Eigentumsübertragung des Bodens stellte einen reinen Rechtsakt dar und wäre Angelegenheit des Staates. Rotierender, zeitlich begrenzter Einzelbesitz ohne Veräußerungs- oder Erwerbsrecht wäre hier die Maßgabe, um das alte feudale Recht der Inbesitznahme des Bodens durch Vermögende abzulösen. Unproduktive Vermögende, die ihr Kapital nur aus Renditegründen (Kapitalverzinsung) heraus für sich arbeiten lassen wollen, üben eine ungerechtfertigte Machtentfaltung aus, die auf den ganzen sozialen Organismus schädlich wirkt. Das Recht auf Verfügung über Kapital und Boden sollte dann entzogen werden, wenn die Bedingungen unter denen dem Einzelnen die Eigentumsverfügung übertragen wurde, nicht mehr gegeben sind, denn die Hortung von Boden und Kapital entspringt einem überholten Selbstversorgungsdenken, das die zivilisationsfördernde Wirkung der Arbeitsteilung einfach missachtet.

Das bedingungslose Grundeinkommen

Das sogenannte „bedingungslose“ Grundeinkommen (BGE) fügt sich nicht in die neue auf die Bodenproduktion basierte Wertschöpfung ein, denn diese Idee entspringt dem alten Modell der von der Realwirtschaft losgelösten Geldschöpfung und des willkürlich steuerfinanzierten Unterhaltes durch den Einheitsstaat. Die Grundforderung der Sozialen Dreigliederung, dass für die Mitmenschen zu arbeiten und ein gewisses Einkommen zu erzielen voneinander zu trennen sind, wird nicht – wie wir gesehen haben – einfach dadurch vollzogen, dass man es dem Staat überlässt, die Einkommensfrage zu lösen, sondern dadurch, dass man die Geldmenge an die Urproduktion, und damit Preise und Einkommen an ein nominelles Maß bindet. Die Behauptung der Befürworter des BGE, dass das Grundeinkommen das Einkommen von der Arbeit trennt ist falsch, denn das BGE würde weiterhin genau wie der Lohn aus dem Arbeitsergebnis finanziert werden, nur eben nicht in Form von Lohn sondern in Form einer darauf erhobenen Zwangsabgabe. Im Sozialen Hauptgesetz von Rudolf Steiner steht: «das Heil einer Gesamtheit von zusammenarbeitenden Menschen ist umso größer, je weniger der einzelne die Erträgnisse seiner Leistungen für sich beansprucht, das heißt, je mehr er von diesen Erträgnissen an seine Mitarbeiter abgibt, und je mehr seine eigenen Bedürfnisse nicht aus seinen Leistungen, sondern aus den Leistungen der anderen befriedigt werden.» Caspar meint dazu und dem stimme ich vollkommen zu: „Steiner formulierte im Sozialen Hauptgesetz, «dass für die Menschen arbeiten und ein gewisses Einkommen erzielen zwei voneinander ganz getrennt Dinge seien.» Mit dieser Formulierung geht er eindeutig von Leistungserbringung aus, nur dass es ihm darauf ankommt, dass für den wertermittelnden Vergleich zwischen Preis und Urwert sich im Preis nur das Bedürfnis und keine Einkommenszahlung spiegelt. Voraussetzung und Sinn der Trennung erfüllen sich ja nur, wenn die Preise, ausschließlich Spiegel der Bedürfnisse, durch assoziativ getroffene Produktionseinrichtungen an den Urwert als Richtmass angepasst werden …“. Darin enthalten ist die Idee von der Wertbildung in einer arbeitsteiligen Wirtschaft, die anerkennt „dass die arbeitsteilige Gesellschaft auf der durch individuelle Fähigkeit und Initiative ermöglichten rationellen Arbeitsorganisation gründet, und dass jeder Erzeuger einer Leistung für deren Gegenwert auf die Fähigkeit und Initiative aller Tätigen angewiesen ist. Mit anderen Worten: wieviel einer für seine Leistung erhält, wird nicht durch diese selbst, sondern durch die Leistung der anderen Tätigen bestimmt.“ Das BGE würde außerdem die Abhängigkeit der Menschen vom Staat weiter fördern und die Energie des Handelns des Einzelnen schwächen. Diese Entwicklung ist nicht zu wünschen, denn es untergräbt die eigenen inneren Kräfte, macht träge zu gegenseitiger Hilfe, und hemmt uns, den eigenen Verstand zu schärfen und den eigenen Charakter zu bilden. Die brüderliche Wirtschaftsordnung in der sich der Einzelwille mit dem überschauenden Gemeinsinn identifizieren kann und soziales Verständnis füreinander entwickelt wird, fordert uns tatsächlich dazu auf, dass wir uns erst einmal selbst einbringen, bevor wir Anspruch auf das erheben können, was wir selbst brauchen. Es ist nicht gut, auf Kosten von anderen zu leben, weder auf der unteren noch auf der oberen Skala der Gesellschaft. Das was die Befürworter des BGE wollen, ist eine Verteilung von Geld nach dem Gießkannenprinzip ungeachtet der Tatsache, wie Werte und Geld in der arbeitsteiligen Wirtschaft überhaupt entstehen. Das ist so also würde man einem Haus, das auf Sand gebaut ist (Luft-Geldschöpfung), einen neuen Anstrich verleihen, der da heißt «Bedingungsloses Grundeinkommen» anstelle von «Sozialhilfe» und meinen, dass das Haus damit an Stabilität gewinnen würde. Das Haus steht dann aber immer noch auf Sand, und nicht auf Stein. Das feste Fundament für das Haus kann nur aus der neuen Wertbildung und Geldschöpfung auf Grundlage der Güterproduktion kommen. Es geht jetzt nicht darum, eine Agitation im Traumleben zu führen, sondern darum aus dem Traum zu erwachen!

Erstveröffentlichung des Beitrages im „Rundbrief zur Dreigliederung“ der „AG Soziale Dreigliederung nach Rudolf Steinerrundbriefe.3gliederung.de.

Autorin Sabine Gebhardt


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Eine Antwort zu „Neuordnung der Wirtschaft”.

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