Ich sitze furchtbar gern im Sessel und döse

Von Bernhard Horwatitsch – Gesellschaft

Ich sitze furchtbar gern im Sessel und döse
(David Lynch)

Unser bürgerliches, kapitalistisches System garantiert nur einer privilegierten Schicht echten und nachhaltigen Wohlstand. Alles Geld der Welt ist nur geborgt  und nur wer herrscht verdient es. Wer es verdient, herrscht nicht. Das sagt ja schon das Vollverb „ver-dienen“. Die Versprechen von Gleichheit sind längst in der Freiheit zu lügen untergegangen. Nicht umsonst heißt es „Lug und Trug“. Wo gelogen wird, wird auch betrogen. Und nirgendwo sonst wird so viel gelogen – ohne Not gelogen – wie in der bürgerlichen, kapitalistischen Gesellschaft. Aber nicht, dass Sie glauben, ich glaubte noch an die Wahrheit. Nein, sicher nicht. Ideologien habe ich von jeder Seite her inzwischen betrachtet und verachtet. Eine Revolution tauscht nur die Mächtigen mit anderen Mächtigen, die Privilegierten mit anderen Privilegierten. Es ist besser, die alten Machthaber zu behalten. So lange wie möglich, denn sie werden müde und damit kann man arbeiten.


Die größte Vernunft geht vom schläfrigen Regenten aus, denn er oder sie ist im bestmöglichen Sinne objektiv. Der müde Regent hat dank seiner Sehnsucht nach Schlaf wenig Ego und vertritt keine Ideologien. Der müde Regent tagträumt, bringt nichts zustande und kann somit keinen Schaden anrichten. Wollen wir einen Buddha auf dem Thron? Dann wählen wir den Komatösen. Jede an ihn gerichtete Frage wird mit Schweigen bestraft. Jede Ideologie wird vom komatösen Regenten ignoriert und scheitert an dem regelmäßigen Atem des Beatmeten. Halten wir also die Demokratie, die längst im Koma liegt, weiter künstlich aufrecht. Machen wir einfach weiter und überlassen den Rest einer höheren Fügung. Achten wir darauf, dass sich die Demokratie nicht wund liegt, wechseln wir das eingeschissene Laken der komatösen Demokraten aus und straffen das frische und weiße darunter, damit ja keine Falte entsteht. Mobilisieren wir den komatösen Regenten indem wir ihn mal nach links und mal nach rechts drehen und dann wieder in der Mitte liegen lassen. Wie geht es weiter? Das entscheidet der Sozialbetreuer des mittlerweile zu Recht entmündigten demokratischen Regenten. Lesen wir die Schriften von Platon,  Cicero oder Rousseau weniger als philosophische Texte, sondern mehr als Verfügungen, an die sich die Ärzte der Demokratie halten müssen. Gemeinsam mit den Psychologen, den Therapeuten und den Pflegern des Systems arbeiten wir daran, dass der Regent einst aus seinem ewigen Schlaf erwachen wird. Auch wenn das Gehirn des schlafenden Regenten längst zu Mus geworden ist, hoffen wir auf ein Wunder. Denn dieser schlafende Riese in seinem weißen Bett ist der beste Regent aller Zeiten und für alle Zeiten. Für die nächsten Tausend Jahre Demokratie im Schlaf, erträumen wir uns ein schlarafftes Land aus Faulenzern. Sauber, satt und sicher. Gedruckt zu Arbeitshausen / in der Graffschafft Fleiß im Jahr / da Schlarraffenland entdeckt war.

Bernhard Horwatitsch https://www.literaturprojekt.com/




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